Arnd Busche hat sich dazu auf Spurensuche begeben und fasst sein Wissen im folgenden Beitrag zusammen:
1595 gab es gerichtlich Streit um die Nutzung des Waldes, der damals von Bilm/Iltener und Wassler Seiten fast abgeholzt war. Zwei Jahre später spitzte sich der Konflikt weiter zu und es kam am 21. Mai 1597 zur "Schlacht am Ärbernest". Aufgebrachte Iltener/Bilmer gegen Wassler bekämpften sich und es gab Tote.
Adolf Thölke, ehemaliger Sehnder Heimatforscher hatte dazu im Jahr 2001 einen Artikel veröffentlicht:
Hier ist der Artikel zu lesen
Wald war existenziell für unser Dorf, denn nur von dort konnte man Brenn- und Bauholz beziehen und auch Schweine wurden zur Eichel- und Bucheckernmast dort gehütet. Aber es gab gerade mit Bilm und Ilten zum Wald jahrhundertelang Streit.
Zwischen 1652 und 1814 gab es wenigstens sechs gerichtliche Auseinandersetzungen zum Wald mit den Bilmern um Grenzen und Weiderechte.
Aber 1833 spitzte sich die Situation nach 5-jähriger gerichtlicher Auseinandersetzung um Jagdrechte erneut wieder so zu, dass wieder Waffen im Einsatz waren.
Wassel stand allein gegen die 14 Dörfer des großen Freien.
Gem. einem Artikel von Siegfried Strehlow, Präsident des Heimatbundes Niedersachsen im Marktspiegel 2013, gründen sich die Rechte der Freien auf die:
„Sage der mutigen Bauern der Umgebung, die um 1500 Herzog Ernst, der nach einer verlorenen Schlacht vor den Spaniern in die heimischen Wälder floh, das Leben retteten.“
Diese 14 Freiendörfer zu denen auch Bilm und Ilten gehörten, lagen im Zentrum zwischen Hannover, Hildesheim, Braunschweig und Lüneburg, welche im Mittelalter in wechselnden Konflikten und Bündnissen Streitereien hatten.
Jede Seite wollte die 14 Dörfer als Verbündete haben um die eigene Position zu stärken. Dafür mussten sie immer wieder die Rechte der Freiendörfer anerkennen.
Eines der Rechte war das Recht der Jagd im Nordwald für die 14 Dörfer der Freien.
Die dortigen Jäger meinten auch, der Wassler Wald wäre einst Teil des großen Nordwaldes gewesen – jener große Nordwald, welcher angeblich in Urzeiten vom Moor bei Altwarmbüchen bis nach Hämelerwald reichte.
Es gingen dann drei Freienjäger, einer aus Bilm und zwei aus Anderten im Wassler Wald jagen, um ihre angeblichen freien Jagdrechte, die ihnen auch nach mehrjähriger gerichtlicher Auseinandersetzung noch nicht zugesprochen waren durchzusetzen.
Dazu steht auf der 1983 erschienenen Chronik von Rose / Bödecker über Bilm auf Seite 90:
Die Wassler verbaten sich energisch jede weitere Bejagung durch die Freien.
1833 spitzte sich der Streit bedrohlich zu; der Jagddeputierte der Freien Herr Wehler aus Ilten verlangte kategorisch ein freies Jagen im gesamten Wald.
Als die Rechtsstreitigkeiten die Bevölkerung hüben wie drüben so recht ergriffen hatten, gingen drei Bauern aus dem Großen Freien auf Jagd weit hinein ins Wassler Gebiet des Waldes. Plötzlich sahen sich Friedrich Prüße, Friedrich Meyer, beide aus Anderten und Georg Meyer aus Bilm von 30 Wasseler Bürgern umringt.
Mit dem Rufe „nehmt ihnen die Flinten ab", drangen die Wassler auf die drei Jäger ein und es kam zum Handgemenge.
Schüsse aus Wassler Gewehren pfiffen über die Köpfe der drei Freienjäger hinweg.
In der Auseinandersetzung, die sich nun auf freiem Felde entspann, blieb den Freien nichts anderes übrig als nachzugeben und ihre Gewehre den Wasslern auszuliefern.
In der Gastwirtschaft mussten sie nun ein Schriftstück unterzeichnen, in dem sie sich verpflichteten, bis zur Beendigung des Rechtsstreites die Wassler Feldmark mit dem Gewehr nicht mehr zu betreten.
Nach diesem Vorfall befürchtete der Jagddeputierte der Freien, Herr Wehler, dass ohne richterlichen Schutz gefährliche Tätigkeiten zu besorgen seien, wie an jenem 21 Mai 1597, wo die Dorfschaften Wassel und Ilten bewaffnet gegeneinander gezogen und mehrere Menschen getötet wurden.
"Die Erbitterung zwischen dem Großen Freien und den übrigen Eingesessenen zu Wassel ist so groß, dass allemal Angriffe und blutige Gegenwehr zu erwarten stehen".
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Der Rechtsstreit darüber zog sich noch neun Jahre bis 1842 hin.
Es blieb dabei. Die Jäger aus den 14 Freiendörfern hatten im Wassler Wald nichts zu suchen.
Arnd Busche, Wassel
April 2026