Unsere kleinen abgeschlagenen Engel sind wieder da!
Nachdem sie über 100 Jahre auf den Gräbern von Kindern gestanden hatten, wurden sie mutwillig zerstört und lagen fast 30 Jahre im Pfarrhaus, wo ich sie fand. Sollte das ihr Ende sein?
Ich machte mich schlau, erkundigte mich beim Kunstreferat in Hannover und holte den Förderverein „Lasst die Kirche im Dorf“ ins Boot. Schließlich brachte ich die Engel zu einer Restauratorin, die den zerbrochenen Engel klebte und beide säuberte. Dort konnte ich sie nun abholen und in der Kirche aufstellen. Auch ohne Flügel sehen sie hübsch aus.
Aber eine Frage ließ mich nicht los:
Wer waren die Kinder, deren Gräber die Engel zierten?
Die Inschrift auf dem Stein mit dem größeren Engel war gut zu lesen: „Hier ruht in Gott unsere liebe Tochter Anna Busche, geb. 25. Februar 1886, gest. 11. November 1892“ und unten noch „Auf Wiedersehen“.
Die Inschrift auf dem Stein mit dem kleinen Engel war schwieriger zu entziffern. Über das Sterbedatum „4. Dezember 1895“ und die Kirchenbücher, die im Pfarrbüro stehen, kam ich schließlich auf den Namen: Elise Nordmann, geboren am 8. Juli 1895, starb an Krämpfen.
In den Kirchenbüchern fand ich auch den Eintrag von Anna: sie starb an den Masern. Innerhalb von 15 Tagen starben noch drei weitere Kinder an den Masern: Ida und Wilhelm Busse, deren Grabsteine nicht mehr vorhanden sind und Otto Nordmann, der ältere Bruder von Elise. Ottos Grabstein steht noch auf dem Friedhof, auch darauf stand ein Engel, der aber nicht mehr da ist.
Wer die kleinen Engel ansehen möchte, kann mich anrufen. Ich schließe gern die Kirche auf.
Ulrike Busche

